Ich
war

gestern auf der Street Parade, zum ersten Mal seit ich hier wohne.

Das ist nicht wirklich etwas besonderes, schliesslich waren noch 800.000 anderen Leute da. Nur um das in Relation zu setzen, Zürich hat etwa 350.000 Einwohner. Da kann die Love Parade einpacken. Ich habe mich gut amüsiert, und die 800.000 anderen Leute auch. Es gab krasse 6 Festnahmen, 4 davon wegen Drogendelikten. Friedlich, koennte man sagen. Es war nicht mehr Polizei auf den Straßen sichtbar als sonst, und mit jedem Wagen liefen etwa 4 Security-Leute mit, die darauf aufpassten, daß keine Raver überfahren wurden.
Irgendwann auf dem Nachhauseweg ist mir das aufgefallen, und ich mußte an die Fußball-WM denken, mit ihrem "gelungenem Sicherheitskonzept". In die Public-Viewing Bereiche durfte man keine Glasflaschen mitnehmen, in kleineren Städten wie Kaiserslautern durfte man auch keine PET-Flaschen mitnehmen, obwohl man drinnen welche kaufen konnte.
Die Polizei war ueberall dabei (keineswegs unangenehm, aber deutlich präsent), und die Innenstädte waren mit Kameras komplettüberwacht. Security war auch überall, aber im Gegensatz zur Polizei, die sich auf ihre Verfassungsgemäßen Aufgaben beschränkte, sah die Security stellenweise mehr nach Sittenpolizei als nach Sicherheitsdienst aus. So zum Beispiel, als sie uns freundlich aber bestimmt darauf hinwiesen, daß wir uns doch bitte etwas ruhiger verhalten könnten, nachdem wir so einen aggressionsfördernden Limbo organisiert hatten.
Das waren so meine Gedanken, als ich nach Hause lief, und ich kam nicht umhin, ein paar potentielle Schlüsse zu ziehen.
- Raver sind bessere Menschen als Fußballfans, also brauchen sie nicht so viel Security.
- Deutschland hat eine natürliche Tendenz zum Polizeistaat, und wenn die Polizei es nicht erledigt, dann finden sich private Initiativen.
- Die Sicherheitsvorkehrungen bei der WM waren übertrieben.
Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus mehreren Faktoren, aber nachdenklich macht es trotzdem.