Friday, April 7. 2006Vorsicht, zuckerfrei!Es ist schwierig geworden, Bonbons mit echtem Zucker zu kaufen. Viele Bonbons enthalten garkeinen Zucker mehr, nur noch Süßstoff. Da früher der Hauptbestandteil dieser Bonbons Zucker war, frage ich mich ab und zu, woraus sie jetzt bestehen, aber das ist ein anderes Thema. Ich habe schon länger eine starke Abneigung gegen zuckerfreie Bonbons entwickelt. Nicht so sehr, weil sie zuckerfrei sind, das ist an und für sich ok, vielmehr sind mir die Süßungsmittel zuwider. Sie sind süß, aber nicht echt. Wenn es um Zucker geht, bin ich Fundamentalist. Ich wurde heute gefragt, was ich denn eigentlich gegen Süßstoffe habe. Da sind nun die offensichtlichen Probleme: komischer Belag auf den Zähnen, ungeklärte Karzinogenität, Durchfall von nur einer Packung Bonbons. Aber das ist nicht alles. Ich vermute, daß regelmäßige Einnahme von künstlichen Süßungsmitteln ernsthafte Folgen für die Psyche hat und in einigen Fällen direkt zu Übergewicht oder Diabetes führt. Das ist nun natürlich eine etwas paradoxe Behauptung, und das sehe ich auch ein. Ich will es daher etwas genauer erklären. Der menschliche Körper mißt den Blutzuckerspiegel, und wenn der zu niedrig ist, dann gibt er entsprechende Warnsignale. Umgekehrt gibt er positive Signale, wenn der Blutzuckerspiegel steigt. Durch Konditionierung tritt allerdings ein weiterer Effekt ein: Wenn ich etwas tue, daß normalerweise den Blutzuckerspiegel erhöht, so wird diese Handlung direkt als positiv bewertet, da sie ja eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels zur Folge hat. Wenn ich ein Bonbon esse, fühle ich mich besser, denn der süße Geschmack zeigt an, daß ich Zucker zu mir nehme, und inbesondere wenn ich unterzuckert bin, ist der süße Geschmack in meinen Mund genug, um direkt eine Verbesserung meines Befindens auszulösen. Nun betreten die Süßstoffe die Bühne. Wenn ich regelmäßig Bonbons esse, die zwar süß sind, aber keinen Zucker enthalten, dann geht meine Konditionierung hinsichtlich Süßem verloren, denn auf den süßen Geschmack im Mund erfolgs keine Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Viel schlimmer ist es wahrscheinlich, wenn man schon als Kind nie Bonbons mit Zucker gegessen hat. Nie hat man allein aufgrund des Geschmacks Befriedigung der Lust nach Süßem erfahren. Wenn man durch jahrelanges Essen von zuckerfreien Süßigkeiten desensibilisiert ist, so kann der Körper den süßen Geschmack nicht mehr korrekt zu dessen Wirkung auf den Blutzuckerspiegel zuordnen. Wird ein so desensibilisierter Mensch mit echtem Zucker konfrontiert, wird er am süßen Geschmack zwar vielleicht (aufgrund alter Instinkte) Freude haben, aber der Zusammenhang mit seinem Blutzuckerspiegel ist dem Körper nicht klar. Der arme Mensch wird sich vollstopfen mit Zucker, er wird fett, zuckerkrank, bekommt schlechte Zähne, und unglücklich wird er auch, zumindest aber wird er vom Zucker nicht glücklicher. Um das nochmal zusammenzufassen: Süßstoffe sind Teufelszeug. Haltet sie soweit möglich von Kindern fern. Und von Erwachsenen auch. Was ich da oben geschrieben habe, ich aus medizinischer Sicht höchstwahrscheinlich ziemlicher Blödsinn, aber immer wenn ich jemanden Coke Light trinken sehe, muß ich daran denken, wie er selbst sich seiner lebenserhaltenden Kindheitserfahrungen beraubt. Das ist tragisch. Monday, April 3. 2006Scharmützel am Rande der Gesellschaft
Elthnithihl macht so seine Erfahrungen mit dem Gesetz. Eigentlich lustig. Die beleidigenden Passagen wurden bereits entfernt. Die Spartarifzentrale
ist natürlich zurecht um ihren guten Ruf besorgt. Allerdings drängt
sich mir schon die Frage auf, ob es marketingstrategisch geschickt ist,
relativ harmlose Studenten zu bedrohen. Vielleicht wäre es der
Förderung ihres Image zuträglicher, einen einigermaßen kompetenten
Webdesigner zu engagieren, und vielleicht sogar einen, der des
Deutschen in Wort und Schrift mächtig ist. Insbesondere jemand, der in
der Lage ist, ganze, zusammenhängende Sätze zu formulieren. Aber wie
man auf der Seite lesen kann, ist dies anscheinend gerade in Arbeit.
Und immerhin ist Elthnithihl schon der zweite Hit bei der Suche nach "Spartarifzentrale", dicht gefolgt von Erdferkel, da kann ich die Aufregung verstehen.
Andererseits weiss ich nicht, wie weit es mit den angedrohten strafrechtlichen Konsequenzen her ist. Beleidigung ist in der Tat ein Straftatbestand, aber da kein Mitarbeiter namentlich genannt wurde, und da auch keine Identität aus der Beschreibung zu rekonstruieren ist, ist der Straftatbestand der Beleidigung eigentlich nicht gegeben... vermute ich (aber ich kann mich irren). Um mal ein Beispiel anzuführen: Wenn ich hier jetzt mal öffentlich einen anonymen Telekom-Mitarbeiter als Idiot beschimpfe, dann ist das keine Beleidigung, oder doch? Aber was rede ich da... ich habe ja eigentlich keine Ahnung, und die Leute bei Spartarifzentrale machen ja einen echt kompetenten Eindruck, die werden schon wissen, was richtig ist. Nur in Medienfragen sollten sie sich eventuell einen Berater zulegen, die Internet-Bevölkerung reagiert ja recht sensibel auf Drohungen.Friday, March 31. 2006Der Neid
Ich fühle mich ein wenig schuldig wegen meiner langen Abstinenz. Es ist ja nichtmal so, daß ich Stress hätte. Heute bin ich auf das hier gestoßen. Das löste lange schlummernde Gefühle aus: Das ist so cool, das will ich auch können. Ich hoffe, die Jungs sind wenigstens Kunstturner oder so, das wäre wenigstens eine akzeptable Ausrede dafür sowas zu können.
Monday, March 13. 2006Kettensägen!
Kettensägen sind toll. Ich kenne Leute, die haben einen Kettensägen-Pinup-Kalender. Stylish, zugegebenermaßen. Bei monochrom (die ich nicht umsonst auf meiner Link-Liste habe) hat einer auf der Rückseite einer Kettensägenverpackung vier Bilder, oder sagen wir, Illustrationen gefunden. Sie scheinen mehr eine Art Zen-Übung für den Käufer, oder die Verkäufer zu sein, als einem echten Zweck zu dienen, obwohl ich mir vorstellen kann, daß man sie mit einiger Phantasie als Sicherheitshinweise verstehen könnte. Jetzt ist jeder dazu aufgefordert, eine kurze Kurzgeschichte zu den vier Bildern zu schreiben. Meine kommt vielleicht nächstes Wochenende. Ansonsten ist die von Cory Doctorow ziemlich cool. Oder die. Oder die. Oder die...
[Update 14.3.06] Meine Geschichte ist fertig. Wann und ob sie auf die monochrom-Seite kommt, ist unklar, aber meine Leser koennen sie schonmal hier lesen... [Update 16.3.06] Meine Geschichte ist auf der monochrom-Seite zu bewundern. Continue reading "Kettensägen!" Sunday, March 12. 2006Die traurige Geschichte von Alhud, dem "Prinzen von Talalien"Das Land Talalien gilt gemeinhin als eines der unbedeutendsten Flecken Erde überhaupt. In den wenigen kargen Tälern auf dem Gebiet der heutigen Ukraine leben heute nur noch ingesamt 113 Menschen, das Durchschnittsalter ist inzwischen auf 36 Jahre gestiegen. Die zwei noch vorhandenen Ortschaften Srinko und Mariewka sind im Winter schwer erreichbar und es gibt weder Strom noch eine Kanalisation. In den frühen neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte ein Erdrutsch die Schotterstraße nach Mariewka über ein Jahr lang unbefahrbar gemacht und den Ort damit komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Die Strasse wurde erst geräumt, als Malik T. aus Maliewka zum Wehrdienst eingezogen werden sollte, die Post aber nicht zugestellt werden konnte. Talalien war nie wirklich selbstständig, taucht aber immer wieder als Provinz in Dokumenten auf, und seine Bewohner, die Talalier, sind keinem der umliegenden Völker eindeutig zuzuordnen. Leider ist sehr wenig über das alte Talalien überliefert, alles was wir wissen, wissen wir aus Reiseberichten und offiziellen Dokumenten der umliegenden Staaten. Obwohl wir sicher wissen, daß Talal eine eigene Sprache ist, sind keine Dokumente in Talal erhalten, und es ist fraglich, ob Talal überhaupt je geschrieben wurde. Für Ethnologen und Linguisten ist Talalien äußerst interessant, da sich der Schlüssel zum Untergang Talaliens in den Eigenheiten seiner Sprache findet. Continue reading "Die traurige Geschichte von Alhud, dem "Prinzen von Talalien"" Monday, March 6. 2006Quantum Madness!
Als alter Quantencomputerafficionado (was ein selten schönes Wort) bin ich entzückt von dieser Erkenntnis:
A quantum computer program has produced an answer without actually running. Die Details relativieren die Schlußfolgerung wahrscheinlich, und wahrscheinlich so sehr, daß das ganze bei Licht betrachtet recht uninteressant wäre. Trotzdem finde ich, sind wir auf dem richtigen Weg: "A non-running computer produces fewer errors." [Onur Hosten] Da kann man nur schwer widersprechen. Wednesday, March 1. 2006Vorsicht, Einschleicher.Ich bin ein Opfer. Opfer eines Verbrechens. Objekt eines Tatbestandes. Es ist zwar schon länger her, aber ich dachte, die Aktualität von Ereignissen läßt langsamer nach, je katastrophaler sie sind. Ich wurde bestohlen. Das alleine ist nicht weiter verwunderlich, das passiert. Ich allerdings wurde in meiner Wohnung bestohlen. Das heißt dann normalerweise Einbruch und ist zwar psychisch belastender aber nicht wirklich schrecklich. Bei mir hingegen liegt der Fall anders. Ich wurde in meiner Wohnung bestohlen, während ich in der Wohnung war. Man hört ja oft, daß bei Leuten eingebrochen wurde, als sie friedlich schliefen. Aber bei mir wurde nicht eingebrochen, und geschlafen habe ich auch nicht. Ich war anwesend und wach. Nur leider saß ich auf dem Klo. Und der "Einbrecher" ist auch nicht eingebrochen, sondern er ist einfach durch die unverschlossene Tür gekommen. Schließlich war ich ja zuhause, warum sollte ich also abschließen. Die diensthabende Polizistin klärte mich dann auf, daß es sich um einen Einschleicher handelte. Einschleichen als solches ist nicht strafbar, aber es ist quasi unmöglich nicht gleichzeitig Hausfriedensbruch zu begehen. Trotzdem heißt der Einschleicher eben Einschleicher und nicht Hausfriedensbrecher, was ich aus sprachästhetischen Gründen verstehen kann. Ich meldete dann also einen Einschleicherdiebstahl. Glücklicherweise hielt sich der Schaden aufgrund meiner Anwesenheit in Grenzen. Weiter als in die Empfangshalle ist er nicht gekommen. Da ich gerade im Gehen begriffen war, war ich im angrenzenden Zimmer (auf dem Klo), und nicht im Salon im Westflügel oder gar in der Bibliothek. Nicht auszudenken, wenn der Einschleicher mehr Zeit gehabt hätte... ich besitze ja nicht viele Wertsachen, aber einige Dinge, die aussehen wie Wertsachen und eigentlich nur emotionalen Wert haben (z.B. meine Festplatte). Hütet euch vor Einschleichern. Schließt eure Wohnungstüren ab, auch wenn ihr zuhause seid. Man ist echt wehrlos, wenn man auf dem Klo sitzt. Progressiv!Jaja, die Niederländer... bei denen geht es rund. Ich verstehe zwar nicht genau, was der Mann mir sagen will (so ungefähr halt, aber so eine verneinung oder so übersieht man leicht, wenn man kein Holländisch kann). Man stelle sich Frau Zypries vor... oder vielleicht besser nicht. Tuesday, February 28. 2006Alter Schwede!Da war ich also in Schweden. Es hat mir gefallen. Um mal gleich auf die leidige Hintergrundstimmung meiner anderen Beiträge zurückzukommen: Meine Schwester (die da wohnt und sich ja auskennt) hat mir haarsträubende Geschichten über den Datenschutz in Schweden erzählt. Aber das schlägt sich nicht auf das tägliche Leben durch, sondern ist wohl eher wie hier in der Schweiz als "gut informierte Behörden" einzustufen.
Stockholm ist wirklich nett. So nett, daß ich die Liste anderer Städte updaten mußte. Es gibt einen Fluss, sogar einen See, und das Meer. Der Fluss zum Beispiel ist gerade zugefroren. Außerdem eine U-Bahn (die Tunnelbana, also eigentlich T-Bahn). Die grundlegenden Bedingungen für eine coole Stadt sind also erfüllt. Es gibt jede Menge Cafés und leckere Restaurants, und auch die paar Bars, die ich gesehen habe, sahen cool aus. Die Schweden scheinen mir auch ein nettes Völkchen zu sein, und die Sprache ist einfach zu lernen. Schweden ist nicht berühmt für seine Küche, aber trotzdem habe ich mir da ziemlich den Bauch vollgeschlagen. Elch und Ren sind lecker, Erbsensuppe auch, und in Schweden gibt es verdammt viele leckere Backwaren, die den Besuch in den Cafés noch leckerer machen. Zum Beispiel Möhrenkuchen mit krassem Belag aus Zucker und Eischaum oder so, oder Käsekuchen, superfluffig, oder Zimtrollen, oder ganz lecker, Semlor (pl., s.u.).
Friday, February 17. 2006Indisches Rollschinken-Curry mit PetersilieDer kosmopolitische Leser, überall zu hause, wird Einwände haben. Die Inder machen keinen Rollschinken, wird er sagen, es gibt in Hindi nicht mal ein Wort für Rollschinken, geschweige denn im Bengalischen. Räuchern macht in dem Klima sowieso nicht viel Sinn, und überhaupt, was ist denn Petersilie fuer ein indisches Gewürz, bitte schön? Er argumentiert, er lamentiert, er brabbelt vor sich hin. Da entgegne ich kraftvoll, vielleicht auch etwas verschmitzt, das seien wohl die Vorurteile, aber ich habe das Rezept von einem echten Inder, der es gekocht hat, in meiner Anwesenheit, für mich gar, zumindest teilweise. Ok, die Petersilie sollte eigentlich Koriander sein, das sieht sich auch ähnlich, und der Schinken (Kassler tuts sicher auch), naja. Der Schinken ist eigentlich Lamm, aber man kann auch nicht immer richtig liegen. Mit Schinken spart man sich eine Menge Zeit, denn der ist ja schon geräuchert, wenn nicht sogar gekocht. Continue reading "Indisches Rollschinken-Curry mit Petersilie" Tuesday, February 14. 2006Zum Valentinstag
Wie schön... z.B.:
I give up. If you won't let me love you, Please then, just let me pretend you love me And I'm ignoring you because I find your love to be pathetic. That way I can leave you alone And still find myself with some dignity. Unless you want to make out right now. In which case, that's cool. That´s the spirit.
4Warum nicht. Aber bitte eine Variation, sonst wird es langweilig. Außerdem habe ich zum Thema Fernsehen echt nichts zu sagen. 4 JobsComputerschrauber, Programmierer, Lehrer, Forscher. 4 BücherDas Foucaultsche Pendel (Eco), 1984 (Orwell), Der Mann Ohne Eigenschaften (Musil), Der Prozeß (Kafka). Vier sind nicht genug. 4 BibelstellenDt 7:4, Dt 13:13, Dt 21:18, Dt 28:15 (ja, das ist mein Lieblingsbuch da drin). 4 StädteFrankenthal, Kaiserslautern, Perth, Zürich. 4 andere StädteBerlin, 4 FilmeBrazil, Life of Brian, Requiem for a Dream, Starship Troopers. 4 Bands, die ich nochmal live sehen wollteThe Beatles, Pink Floyd, Queen, Nirvana. 4 GerichteKäsefondue, Sushi (mehr eine Kategorie, aber für Banausen wie mich ist das genug), Saag Gosht, das meiste, worin ich selbst mehr als 1 Stunde investiere. Tja, meine Lieben. Das hier ist eine Sackgasse. Ich fordere niemanden auf, aber jeder ist herzlich eingeladen. Wednesday, February 8. 2006Blick in die ZukunftSchon längere Zeit habe ich den Eindruck, daß die gesellschaftliche Entwicklung nicht an allen Orten gleich schnell verläuft. Das ist nun eine relativ triviale Aussage, und als solche nicht unendlich spannend. Zum Beispiel erscheinenen Gesellschaften unter diktatorischer Herrschaft oft wie in einer Zeitblase, insbesondere dann, wenn das Regime die Verbindungen zur Außenwelt kappt (siehe Nordkorea). Interessanter wird es, wenn man diesen Gedanken etwas weiter denkt. Auch innerhalb eines Landes, oder einer Stadt gibt es unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeiten. Daraus kann man einige interessante Schlüsse ziehen. Wenn man sich eine Zone schnellerer Entwicklung anschaut, erlaubt das Rückschlüsse auf die eigene Zukunft. Ich habe schon längere Zeit den Eindruck, daß Flughäfen eine solche Zone schnellerer Entwicklung sind. Wenn wir wissen wollen, wie unsere Gesellschaft in Zukunft aussieht, müssen wir uns nur auf einem Flughafen umsehen. Was bedeutet das? Sunday, January 15. 2006No point in mentioning these bats, I thought...... Poor bastard will see them soon enough. Das ist cool. Viral, sozusagen. Jemand der Sonntag nachmittags im Büro sitzt, hat eigentlich keine Zeit, in sein Blog zu schreiben. Aber das hier hat´s verdient. Seit gestern hilft es mir beim überwinden der Motivationsprobleme. Immer, wenn ich eine kurze Ablenkung brauche, schaue ich mir ein paar an. Das hilft. Tuesday, December 20. 2005Über den vulgären kategorischen ImperativKants kategorische Imperativ ist zurecht allseits beliebt. Ich selbst bin ein großer Anhänger des seines kategorischen Imperativs, und auch wenn einige auf seine Unvollständigkeit hingewiesen haben, ist es meiner Ansicht nach die beste Grundlage für eine atheistische Ethik, die wir zur Verfügung haben (und damit die beste Grundlage für eine Ethik, die wir haben). Kants kategorischer Imperativ kommt in
vielen Formen und Farben, meist Vereinfachungen daher (viele davon sind
älter als Kants Version). Es gibt das negative, besserwisserische "Was
du nicht willst, daß man dir tu, das füg' auch keinem anderen zu" (es
ist bemerkenswert, wie ein geschickt eingesetzter Reim ein spontanes
Ekelgefühl erzeugen kann). In der Bibel gibt es eine positive Variante,
aber ich finde den Wortlaut nicht, also müßt ihr das ohne Zitat glauben. Es gibt allerdings eine Form des kategorischen Imperativs, vor allem hierzulande, die ich mal den "vulgären kategorischen Imperativ" nennen will. Er äußert sich folgendermaßen:
Es ist klar, daß das eine Variante von Kants Version ist, und der ebenso vulgäre Einwand "Es tun ja aber nicht alle" hilft nicht weiter. Das Problem liegt bei einer Vereinfachung. Denn, um es kurz und schmerzlos zu sagen, die Maxime meiner Handlung soll zum allgemeinen Gesetz erhoben werden, nicht aber die Handlung selbst. Anders ausgedrückt, die Entscheidungsfindung, der Grund einer Handlung ist ebenso Teil des hypothetischen Gesetzes. Diese Gesetze sind also Gesetze der Form "falls ..., dann tue ...", mit vielen Bedingungen und wenigen Folgerungen. Zum Beispiel: Wenn ich auf die Straße spucke, dann soll nicht Gesetz (oder Regelfall) werden, daß jeder immer auf die Straße spuckt, sondern das Gesetz hätte wahrscheinlicher die Form: "Wenn du gerade kein Taschentuch hast, und einen fiesen Husten, und ein halbes Pfund Schleim im Hals, dann spuck ruhig auf die Straße". Und selbst eine solch vereinfachte Form kann man wohl als allgemeines Gesetz stehen lassen. Und wenn mich nochmal jemand damit nervt, kann ich jetzt einfach auf diesen Artikel verweisen. Wie beruhigend.
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