Thursday, April 12. 2007Ich habe es befürchtet...
Ohne allzu überheblich erscheinen zu wollen... ich habe es ja gesagt. Dieses Land (oder eher, jenes) ist auf einem schlechten Weg. Die herrschende Klasse tut alles, um das zunichte zu machen, was sie verteidigen soll (vielleicht ist das unfair... vielleicht ist es einfach nur Schäuble). Oder sie ist einfach verblendet. Wahrscheinlich beides.
Ich habe noch 10 Jahre Zeit. Mein "biometrisches" Passbild können sie haben, das ist kein großes Problem. Fingerabdruecke faende ich unangenehm. Naja.
Monday, July 17. 2006Auch das noch! Ein Cover!
Es ist von Coldplay, und es heißt "Talk". Es läuft oft im Radio, und jedes mal versucht mein Hirn, durch die Ohren zu entkommen, um sie zu verstopfen (nicht, daß ich oft Radio hören würde... ich habe gar kein Radio). Was es so unerträglich macht, sind die geradezu penetrant fehlenden Harmonien, die gesungene Melodie wird von einem extra widerlichen Synth einfach (und mehrfach) wiederholt. Das ganze ist so aufdringlich, daß ich fürchte, das ist Absicht, um neue Hörerschichten zu erobern. Diejenigen, denen die durchschnittliche Popmusik zu komplex ist. Und jetzt stelle ich auch noch fest, daß das ein Cover ist. Von Kraftwerk - Computerliebe. Das wäre sicher auch nie mein Lieblingslied geworden, aber immerhin kann man es sich anhören, ohne daß einem schlecht wird.
Continue reading "Auch das noch! Ein Cover!" Wednesday, July 5. 2006bei rot über die Straße gehen / vor allem wenn es kleine Kinder sehenManche Menschen gehen nicht bei rot über die Straße. Sie haben eine unglaubliche Abneigung dagegen, eine rote Ampel zu ignorieren, auch wenn es drei Uhr nachts und kein Auto in Sicht ist, und man in alle Richtungen mehrere Kilometer weit alles überblicken kann. Wenn man solche Menschen fragt, warum sie diese seltsame Angewohnheit haben, dann erfährt man meistens, daß sie an die Notwendigkeit abstrakter Ordnungsprinzipien glauben, oder etwas ähnliches. Das hat meist ein wenig etwas von mißverstandener Gesetzestreue, oder es geht in die Richtung "wenn das alle täten", ein Thema, das ich schon hinreichend diskutiert habe. Continue reading "bei rot über die Straße gehen / vor allem wenn es kleine Kinder sehen" Saturday, October 22. 2005mp3-Player sind sind alle gut
Ich bin Besitzer eines HD300 von MPIO. Das ist ein mp3/ogg-Player, und das ist eigentlich ziemlich cool. Er hat 20G, ist nicht größer als ein vergleichbarer iPod, und er sieht auch ganz ok aus. Ich war ziemlich glücklich, als ich ihn bekommen habe, im Juni. Ich habe ihn benutzt, und es schien, als sei es eine gute Investition gewesen. Der Touch-Sensor für die Menu- und Enter-Tasten ist nicht der beste, aber was soll man sagen, es ist schließlich kein Apple.
Ich habe mir ein kleines Python-Script geschrieben, daß mir aus Verzeichnissen Playlists generiert. Das kann auch das mitgelieferte Windows-Programm, aber eben nur in Windows. Und mein Python-Script war definitiv besser was das Handling von obskuren Tags angeht und die Art und Weise, wie Compilations behandelt werden. Außerdem habe ich so ein wenig Python gelernt. Die Playlists sind einfach m3u-Files, und ich war glücklich. Dann kann ein Tag Ende Juni, an dem ich den Player nicht mehr starten konnte, bzw. er abstürzte, bevor der Bootvorgang abgeschlossen war. Ich ließ ihn eine Weile liegen, lud ihn und entlud ihn, weil ich die Batterie im Verdacht hatte, und Tatsächlich, eine Tages funktionierte das Gerät unerwartet wieder. Ebenso unerwartet allerdings hörte es wieder auf damit. Und so rief ich den Händler an, der sehr freundlich war und sagte, daß sei alles kein Problem und ich solle den Player einfach einschicken, und es mache auch nichts, daß ich keine Originalverpackung mehr habe. Ich war frohen Mutes und schickte den Player ein. Als ich Mitte Juli nichts von ihnen gehört hatte (ich hatte um Bestätigung des Empfangs gebeten) wurde ich nervös und rief nochmals an. Jemand guckte im Lager nach, und mein Player war angekommen. Alles in Ordnung. Ich war beruhigt und ging nach USA. Als ich wiederkam, und der Player noch nicht angekommen war, fing ich an, mir erneut Sorgen zu machen und versuchte, beim freundlichen Händler angerufen. Leider war kein Durchkommen, nie war jemand da, über mehrere Wochen. An meiner Nummer lag es sicher auch nicht, ich versuchte es von mehreren Stellen. Ich resignierte und gab die Hoffnung auf, meinen mp3-Player nochmal wiederzusehen. Statt dessen liebäugelte ich mit einem Powerbook und einem iPod. Vor nicht allzu langer Zeit kam der Player endlich an. Beiliegend war ein Zettel, das Gerät sein ausgetauscht worden. Das mag stimmen (ich habe die Seriennummer nicht notiert), aber das, was ich jetzt habe, ich garantiert kein Neugerät. Das Gehäuse (immerhin Aluminium) ist zerkratzt, mit Spuren eines Einbruchsversuchs mittels Schraubenzieher. Das wuerde mich nicht besonders stören, wenn das Gerät funktionieren würde. Der Menu-Button funktioniert nur sporadisch, und auch Enter ist eher Glückssache. Es ist mehr oder weniger unbrauchbar. Immerhin hat es eine neue Firmware. Ich kann es noch als großen Memory-Stick benutzen. Ich habe aufgegeben. Ich werde sich nicht nochmal Geld für´s Einschicken verschwenden, und mir bleiben nur Phantasien, die diesen ganz ähnlich sind. Also ein gut gemeinter Rat für alle meine Leser: Kauf nicht beim mpio-Händler. Gegen asphaltierte GehwegeHier in Zürich sind viele Gehwege asphaltiert. Ich kann mich nicht daran erinnern, daß ich in meiner Jugend je asphaltierte Gehwege gesehen habe. Auch auf meinen Reisen sind mir nie welche aufgefallen. Das bedeutet zwar nicht, daß es nirgendwo welche gab, ist aber schon ein Indiz eben dafür. Hier in Zürich gibt es sie. Zum ersten mal sind sie mir so richtig bewußt geworden, als sie eine Strasse (unnötigerweise, nebenbei) neu asphaltiert haben, und dabei auch die Gehwege neu gemacht haben. Seitdem kann ich da nicht mehr langgehen, ohne mich an der unnatürlichen Schwärze des Asphalts zu stören, wo eigentlich Platten oder Pflastersteine oder Teppich hingehören. Warum machen die das? Fuer einen Laien wie mich gibt es keinen Vorteil von Asphalt. Man kann ihn nicht lokal reparieren, ohne daß es häßlich aussieht. Soweit ich weiß, gibt es hierzulande sogar ein Gesetz, daß Strassen regelmäßig neu asphaltiert werden müssen (um Arbeitsplätze in der Bauindustrie zu bewahren?), ob das auch für Gehwege gilt? Wenn man Asphalt wieder ausreißt ist der Staub krebserregend. Im Sommer wird es heisser als nötig, und der Teer klebt einem an den Schuhen. Asphalt ist häßlich, Asphalt ist ein Symbol für einen mißlungenen Lebensentwurf für die Menschheit, die die Natur nicht als Partner versteht. Asphalt ist nicht wie Beton: Egal, was man draus macht, es kommt doch eine Straße raus. Kurz, Asphalt ist nichts für Gehwege. Gehwege sind für Menschen gemacht, nicht für Fahrräder, nicht für Inlines, nicht für Segways, nicht für Autos. Gehwege sollte man eigentlich mit Waldbodenimitat belegen, aber ich sehe ein, daß man sich aus praktischen Gründen auf einen Betonplatten oder Plastersteine geeinigt hat. Asphalt sendet das falsche Signal. Es ist ein weiterer Schritt Richtung Entmenschlichung. Asphalt ist anti-hip. Asphalt vernichtet Arbeitsplätze. Tuesday, July 19. 2005Für getrennte Kassen in Buchläden!
Ich habe Harry Potter nicht gelesen. Keines von ihnen. Ebensowenig wie ich die Dragonlance-Romane gelesen habe oder etwas von Rosamunde Pilcher oder das Parteiprogramm der NPD. Ich kenne nicht den Namen von Harry Potters Freundin, noch weiß ich, ob er eine hat. Es ist mir auch egal. Ich will garnichts wissen über ihn. Die Tatsache, daß 100 Trillionen Bücher über ihn verkauft wurden, ohne, daß dies irgendeinen spürbaren gesellschaftlichen Effekt hervorgerufen hätte, bedeutete bisher für mich, daß er völlig irrelevant ist. Würden 100 Trillionen Exemplare des Parteiprogramms der NPD verkauft, gäbe das sicher einen spürbaren gesellschaftlichen Effekt, und ich bin mir noch nicht ganz im Klaren darüber, was das jetzt über die Qualität von Harry Potter aussagt. Oder über John Irvings Bücher. Ich weiß auch ganz nebenbei nicht, ob John Irving Harry Potter liest, aber ich bin mir sicher, daß ich mich bei diesem ganzen Themenkomplex mit nur wenigen unzulässigen Schlüssen ganz schön in die Bredoullie bringen könnte.
Nun ja, die schönen Zeiten der Ignoranz sind vorbei. Ich mußte am Wochenende am eigenen Leib fühlen, wie es ist, dem Willen der Volksseele entgegenzustehen. Gegen den Strom schwimmen, braucht Kraft, und man muß darauf vorbereitet sein, eine Menge zu schlucken. Mein Kampf gegen die Anpassung war weder heroisch, noch kann ich irgendwelche Erfolge vorweisen. Was ist also passiert and diesem schicksalsvollen Samstag? Harry Potter kam in die Regale der Buchläden, und ich mußte feststellen, daß ich ihn spätestens ab heute nicht mehr als irrelevant abtun kann. Harry Potter hat mein Leben verändert. Letzten Samstag, so gegen zwei Uhr Nachmittags, wollte ich, in der mir eigenen Ignoranz (Ignorance is Strength!), ein Buch kaufen. Um genau zu sein, wollte ich "A Long Way Down" kaufen, von Nick Hornby. Ein scheinbar leichtes Unterfangen. Ich betrat einen sich auf dem Weg befindlichen Buchladen, fand das Buch, nachdem mir eine Verkäuferin freundlich Auskunft gab, und wollte mich gerade zur Kasse begeben, da sah ich den Mob. Die Schlange an den zwei Kassen war so lang, daß das Ende sich irgendwo zwischen Krimis und Science Fiction befand, beachtlich. Und jeder dieser anonymen Statisten hatte den neuen Harry Potter bei sich, ein nicht unwesentlicher Teil sogar mehrere Exemplare. Grauen überkam mich, und ich mußte Nick Hornbys Werk bei meiner Flucht zurücklassen. In einem gehässigen Akt von praktischer Ochlokratie hatte man mich am Bücherkauf gehindert. Meine einzige Hoffnung ist das Gesetz. Der Minderheitenschutz muß hier geltend gemacht werden. Eine Quotenkasse nur für Kunden ohne Harry Potter. Zum Schutze der Meinungsfreiheit, der Volksgesundheit und mir. Bitte. Monday, May 16. 2005Laufschuhe sind häßlich, warum?
Auf meinen langen Wanderungen durch Kaufhäuser und Sportgeschäfte (die seltener geworden sind in letzter Zeit, aber doch noch häufig genug) ist mir etwas interessantes Aufgefallen, das umso interessanter ist, da ich bisher keine Erklärung dafür zu finden in der Lage war.
Laufschuhe sind häßlich, und zwar ausnahmslos. Ein Aufschrei geht durch die Ränge der Läufer, und Sportschuhdesigner und sicherlich auch der Sportschuhdesignerapologeten. Ich komme daher wohl nicht umhin, mein Urteil zu erklären. Als Beispiel möchte ich mal Schuhe von Asics anführen. Die Flash-Animation auf der Titelseite sollte genügen, obwohl es sich lohnt, mal in ein Geschäft zu gehen und sich die Schuhe live anzuschauen. Dort sieht man dann auch, daß alle Laufschuheim Prinzip gleich aussehen, weswegen ich auf weitere Beispiele verzichte, es wäre langweilig. Ich sollte allerdings warnen vor einer Misinterpretation von trendigen Lifestyle- Sport-Schuhen als Laufschuh (die meisten Schuhe von Puma sind beispielsweise keine Sportschuhe im eigentlichen Sinn). Zuerst einmal kann man beobachten, daß der Schuh scheint aus zahlreichen Materialien zu bestehen scheint. Ich sage bewusst, scheint. Sicher sind viele der oben genannten Teile aus demselben Material, was aber eigentlich alles nur noch schlimmer macht. Die Liste ist noch nicht einmal vollständig, aber sie soll erstmal genügen:
Man ist versucht, dieses Wirrwarr mit Anforderungen an die Funktionalität zu begründen. Selbst wenn man mal davon absieht, daß From follows Functionso unverdünnt sicher schlecht für den Magen ist (und außerdem direkt der Hölle entsprungen und überkommen), ist der Versuch zum scheitern verurteilt. Wie kann die Farbwahl die Funktionalität beeinflussen? Warum muß 4. perlweiss mit blauen und schwarzen Flecken sein, statt fast-weiss und unauffällig? Ich sehe ja ein, dass diverse Verstrebungen nötig sind, und mehrere Materialien in der Sohle benötigt werden. Sogar die Tatsache, dass man sie nicht versteckt, kann man mit einem Hinweis auf Gewicht und Stabilität entschuldigen. Farbliche Markierungen sind allerdings schlicht albern. Es bleibt noch eine Erklärung. Die Läufer wollen das so. Der Schuh soll funktional aussehen, und nur das. Er soll nicht schön sein, es soll kein kohärentes Design erkennbar sein, denn er muss so funktional sein, so vollgestopft mit neuester Laufschuh-Technologie, daß kein noch so ausgeklügeltes Design mit diesem Funktionsmonster vereinbar wäre. Ich bin an dieser Stelle versucht, zu sagen, daß das so offensichtlich albern ist, daß es keiner weiteren Diskussion bedarf. Auch widerstrebt es mir, die Urteilskraft des Durchschnittsläufers in dieser Weise zu beleidigen. Allerdings erscheint diese Erklärung oder eine Variation davon sicher als die Wahrscheinlichste. Die offensichtlichste Variation, und die beste Erklärung, die ich habe, wäre: Der Laufschuh darf vor allem nicht aussehen wie ein (oben schon erwähnter) trendiger Lifestyle-Schuh. Da ein gut designter Laufschuh sich aber nur marginal von einem solchen unterscheiden würde, ändert sich sein Designkriterium völlig. Ein Laufschuh ist schön, wenn er kein gutes Design hat. Denn hätte er eins, wäre er ein Lifestyle-Schuh, und damit kein guter Laufschuh mehr. Schlechtes Design als Entscheidungshilfe mein Sportschuhkauf. In der Tat ist auffällig, daß Schuhe, deren Funktion von vornherein klar ist, z.B. Fußballschuhe, Kletterschuhe, oder Wanderstiefel, nie dieser Art von schrecklichem Design anheim gefallen sind. Wenn es mal einen wirklich schönen Laufschuh zu kaufen gibt, dann kaufe ich ihn. Vorher laufe ich in eben in meinen Lifestyle-Tretern, oder barfuß am Strand, oder garnicht. Das haben sie jetzt davon. Wednesday, April 20. 2005Die Blogger-Bild ist noch schlimmer als wir eh schon wußten.
Was mußten meine müden Augen heute sehen? Das:
Onkel Toms Peepshow (Ich weiß nicht, wie lange diese Links gültig bleiben, sobald sie im Archiv landen, muß man blechen, um die Schreiberei zu lesen.) Ich kann mich erinnern, den Artikel schonmal gesehen zu haben. Und obwohl er ziemlich gründlich aus dem Blogger-Bild-Archiv gelöscht wurde und per Suche nicht mehr zu finden ist, gibt es Hinweise darauf, dass der Artikel schon älter ist. Tom Wolfe ist naemlich 75 (*2.3.1930), und nicht wie im Artikel behauptet, 74. Er war sicher noch 74, als der Artikel das erste Mal veröffentlicht wurde. Man könnte das natuerlich auch der Nachlässigkeit der "Redakteure" zuschreiben, aber in diesem Fall haben sie richtig recherchiert, und irgendjemand hat sich gedacht, es ist cool, alte Artikel nochmal auf die Titelseite zu nehmen. Ungelesen natürlich. Witzig eigentlich. Das ist seit dem unangenehmen Zwischenfall mit der Triangel des Todes, der aber nur ein paar Minuten dauerte, und von dem einen Screenshot zu machen ich leider versäumte, wohl der entlarvendste Patzer von Spiegel Online. Also ob es nichts interessanteres gäbe als aufgewärmte Neuigkeiten. Ein gut recherchierter Artikel über mafiaartige Strukturen in der und um die GEZ waere nett, oder von mir aus sogar eine Reportage über Camillas Hund. Monday, April 4. 2005E-Musik und U-Musik
Liebe Musikhistoriker oder Medientheoretiker oder von mir aus auch Laienprediger: Wer hat eigentlich die Unterscheidung zwischen U- und E-Musik erfunden, bzw. so gestaltet, wie man das jetzt so kennt?
Die Unterscheidung ist ja haarsträubend. Die zugrundeliegende Typologie ist von ähnlicher methodologischer Qualität wie Adornos "Typologie des Musikhörers" (oder so). Selbstgerecht, herablassend, und mehr ein Ausdruck von Narzißmus als von Sachkenntnis. Ich hoffe, daß irgendein Radioprogrammdirektor diese Unterscheidung erfunden hat, um seine Programmplanung einfacher zu machen. Ich hoffe, daß er darüber nicht lange nachgedacht hat, und daß er keine musikalische Ausbildung hatte. Artikel wie der über E-Musik in Wikipadia sind Balsam für meine geschundene Seele, allerdings bei weitem nicht weitgehend genug. Die angesprochene Zeitabhängigkeit reicht bei weitem nicht aus, um die Einteilung sinnvoll zu machen. Kunstanspruch ist keine objektiv feststellbare Tatsache (mehr?), und die (nicht mehr vorhandene) Deutungshoheit des Komponisten zu bemühen hilft uns nicht weiter. Die E/U Einteilung ist künstlich, sie bevormundet Hörer wie Künstler, und sie hilft dabei niemandem (bei Analyse oder Interpretation). Natürlich achten die Leute bei Wikipedia auf Ausgewogenheit, also müssen es andere sagen: Die Unterscheidung ist ein Relikt eines reaktionären, starren und veralteten Wertesystems, das der Komplexität der klassifizierten Materials nicht im geringensten gerecht wird, und auch nie gerecht wurde. So. Das mußte mal gesagt werden, auch auf die Gefahr hin, schon gesagtes zu wiederholen. Thursday, March 31. 2005FrameMaker
Ich habe kürzlich erfahren, daß ich meine Dissertation in FrameMaker machen muß. Die Gründe sind für mich schwer nachzuvollziehen, soweit so gut.
In der kurzen Zeit, die ich bisher mit FrameMaker verbringen durfte, habe ich es aus vollem Herzen hassen gelernt. Das User Interface stammt aus der Steinzeit, wer auch immer es verbrochen hat, hat dabei entweder garnicht nachgedacht, oder hemmungslos seinem Sadismus gefrönt. Weder Stabilität noch Qualität des Outputs rechtfertigen in irgendeiner Weise seinen Ruf als "professional authoring and publishing tool". Also hoffe ich einfach, daß Adobe FrameMaker komplett einstellt. Bitte bitte. Wenn der Code so aussieht wie das Interface, haben sie sowieso keine Chance. Grammatik für Pedanten I
Erinnert ihr euch auch an die folgende Konversation?
- Das ist aber ein süüüßer Hund. - Ja, das ist meiner. - Nein, der Hund gehört sich selbst. Nanana blabber grfz. Viele Menschen scheinen geradezu von der Idee besessen zu sein, daß ein Possessivpronomen eine Eigentümer-Eigentums-Beziehung impliziert. NEIN! Es ist wirklich Pech, daß es nach ebendieser benannt ist, aber Lateinkenntnisse ersetzen einem nunmal nur selten das Nachdenken. Possessivpronomen weisen auf eine Relation, wie auch immer geartet hin. Sie sollten besser Relationalpronomen oder Assoziativpronomen heissen. Am besten gebe ich ein paar Beispiele, bevor der kritische Leser mir das um die Ohren haut. Betrachten wir erstmal folgenden Satz: Queen Elisabeth ist meine Königin. Offenbar gehört mir Queen Elisabeth nicht. Sie gehört im übertragenen Sinne zu mir, da sie eben aufgrund unserer (unterstellten) Königin-Untertan-Beziehung zu mir assoziiert werden kann. Ebensowenig kann man eine unterbewußte oder unbewußte In-Besitznahme unterstellen (ich wünsche mir oder finde in Wirklichkeit/unterbewußt, daß meine Königin mir gehört), zumindest nicht, wenn man bei klarem Verstand ist. Obwohl das in manchen Fällen zutreffen mag (mein Psychiater sollte nur für mich da sein), kann man es sicher nicht auf alle Possessivpronomen verallgemeinern: Das ist mein Milchaufschäumer. Sein Erfinder ist gerade verreist. Gehört der Erfinder meines Milchaufschäumers meinem Milchaufschäumer? Spannend. Sehnt sich mein Milchaufschäumer vielleicht nach Kontrolle über seinen Erfinder? Aha. Da muß selbst der hartnäckigste Grammatik-Mißbraucher aufgeben. Man kann Possessivpronomen übrigens nur einsetzen, wenn die Art der Beziehung aus den Ausdrücken für die Partner klar hervorgeht. Ansonsten ist entweder "x gehört y" oder "x gehört zu y" gemeint, daher wohl auch der Name. Die Sache mit "sein Erfinder" war klar. Aber "seine Fabrik" würde eine Besitzbeziehung andeuten, weil man nicht ahnen kann, daß die Fabrik gemeint ist, in der er hergestellt wurde. Aus aktuellem Anlass: für ähnliche Argumente gilt übrigens dasselbe. "ich habe" bedeutet auch nicht immer "ich besitze". Nicht mal annähernd. Wednesday, March 30. 2005Haben oder Sein
Gute Frage eigentlich. Interessant nur, wie Erich Fromm das tatsächlich als exklusives oder meint. Ein grausames Buch. Vielleicht muss man es ja als "Produkt seiner Zeit" sehen. Übersetzt heißt das "überholt und inzwischen mehr oder weniger wertlos".
Man kann sonst von Aristoteles halten, was man will. Aber mit seiner Lehre vom rechten Maß hatte er durchaus recht. Die Vergötterung des Habens durch eine Verteufelung zu ersetzen, ist sicher keine Lösung. Vor allem nicht, wenn es in so plumper und vereinfachender Weise geschieht. Mehrere Fälle von Beweis durch Etymologie und Beweis durch einzelnes Beispiel geben dem Buch den Rest. So eine grauenhafte Argumentation hätte ich von Erich Fromm nicht erwartet, er hat ja auch gute Bücher geschrieben. Da bleibt mir nur noch zu sagen: Psychoanalytiker, bleib bei deiner Couch.
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