Sunday, August 13. 2006Die Street Parade und die Gesellschaft
Ich war
Das ist nicht wirklich etwas besonderes, schliesslich waren noch 800.000 anderen Leute da. Nur um das in Relation zu setzen, Zürich hat etwa 350.000 Einwohner. Da kann die Love Parade einpacken. Ich habe mich gut amüsiert, und die 800.000 anderen Leute auch. Es gab krasse 6 Festnahmen, 4 davon wegen Drogendelikten. Friedlich, koennte man sagen. Es war nicht mehr Polizei auf den Straßen sichtbar als sonst, und mit jedem Wagen liefen etwa 4 Security-Leute mit, die darauf aufpassten, daß keine Raver überfahren wurden. Irgendwann auf dem Nachhauseweg ist mir das aufgefallen, und ich mußte an die Fußball-WM denken, mit ihrem "gelungenem Sicherheitskonzept". In die Public-Viewing Bereiche durfte man keine Glasflaschen mitnehmen, in kleineren Städten wie Kaiserslautern durfte man auch keine PET-Flaschen mitnehmen, obwohl man drinnen welche kaufen konnte. Das waren so meine Gedanken, als ich nach Hause lief, und ich kam nicht umhin, ein paar potentielle Schlüsse zu ziehen.
Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus mehreren Faktoren, aber nachdenklich macht es trotzdem. Continue reading "Die Street Parade und die Gesellschaft" Friday, April 7. 2006Vorsicht, zuckerfrei!Es ist schwierig geworden, Bonbons mit echtem Zucker zu kaufen. Viele Bonbons enthalten garkeinen Zucker mehr, nur noch Süßstoff. Da früher der Hauptbestandteil dieser Bonbons Zucker war, frage ich mich ab und zu, woraus sie jetzt bestehen, aber das ist ein anderes Thema. Ich habe schon länger eine starke Abneigung gegen zuckerfreie Bonbons entwickelt. Nicht so sehr, weil sie zuckerfrei sind, das ist an und für sich ok, vielmehr sind mir die Süßungsmittel zuwider. Sie sind süß, aber nicht echt. Wenn es um Zucker geht, bin ich Fundamentalist. Ich wurde heute gefragt, was ich denn eigentlich gegen Süßstoffe habe. Da sind nun die offensichtlichen Probleme: komischer Belag auf den Zähnen, ungeklärte Karzinogenität, Durchfall von nur einer Packung Bonbons. Aber das ist nicht alles. Ich vermute, daß regelmäßige Einnahme von künstlichen Süßungsmitteln ernsthafte Folgen für die Psyche hat und in einigen Fällen direkt zu Übergewicht oder Diabetes führt. Das ist nun natürlich eine etwas paradoxe Behauptung, und das sehe ich auch ein. Ich will es daher etwas genauer erklären. Der menschliche Körper mißt den Blutzuckerspiegel, und wenn der zu niedrig ist, dann gibt er entsprechende Warnsignale. Umgekehrt gibt er positive Signale, wenn der Blutzuckerspiegel steigt. Durch Konditionierung tritt allerdings ein weiterer Effekt ein: Wenn ich etwas tue, daß normalerweise den Blutzuckerspiegel erhöht, so wird diese Handlung direkt als positiv bewertet, da sie ja eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels zur Folge hat. Wenn ich ein Bonbon esse, fühle ich mich besser, denn der süße Geschmack zeigt an, daß ich Zucker zu mir nehme, und inbesondere wenn ich unterzuckert bin, ist der süße Geschmack in meinen Mund genug, um direkt eine Verbesserung meines Befindens auszulösen. Nun betreten die Süßstoffe die Bühne. Wenn ich regelmäßig Bonbons esse, die zwar süß sind, aber keinen Zucker enthalten, dann geht meine Konditionierung hinsichtlich Süßem verloren, denn auf den süßen Geschmack im Mund erfolgs keine Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Viel schlimmer ist es wahrscheinlich, wenn man schon als Kind nie Bonbons mit Zucker gegessen hat. Nie hat man allein aufgrund des Geschmacks Befriedigung der Lust nach Süßem erfahren. Wenn man durch jahrelanges Essen von zuckerfreien Süßigkeiten desensibilisiert ist, so kann der Körper den süßen Geschmack nicht mehr korrekt zu dessen Wirkung auf den Blutzuckerspiegel zuordnen. Wird ein so desensibilisierter Mensch mit echtem Zucker konfrontiert, wird er am süßen Geschmack zwar vielleicht (aufgrund alter Instinkte) Freude haben, aber der Zusammenhang mit seinem Blutzuckerspiegel ist dem Körper nicht klar. Der arme Mensch wird sich vollstopfen mit Zucker, er wird fett, zuckerkrank, bekommt schlechte Zähne, und unglücklich wird er auch, zumindest aber wird er vom Zucker nicht glücklicher. Um das nochmal zusammenzufassen: Süßstoffe sind Teufelszeug. Haltet sie soweit möglich von Kindern fern. Und von Erwachsenen auch. Was ich da oben geschrieben habe, ich aus medizinischer Sicht höchstwahrscheinlich ziemlicher Blödsinn, aber immer wenn ich jemanden Coke Light trinken sehe, muß ich daran denken, wie er selbst sich seiner lebenserhaltenden Kindheitserfahrungen beraubt. Das ist tragisch. Wednesday, February 8. 2006Blick in die ZukunftSchon längere Zeit habe ich den Eindruck, daß die gesellschaftliche Entwicklung nicht an allen Orten gleich schnell verläuft. Das ist nun eine relativ triviale Aussage, und als solche nicht unendlich spannend. Zum Beispiel erscheinenen Gesellschaften unter diktatorischer Herrschaft oft wie in einer Zeitblase, insbesondere dann, wenn das Regime die Verbindungen zur Außenwelt kappt (siehe Nordkorea). Interessanter wird es, wenn man diesen Gedanken etwas weiter denkt. Auch innerhalb eines Landes, oder einer Stadt gibt es unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeiten. Daraus kann man einige interessante Schlüsse ziehen. Wenn man sich eine Zone schnellerer Entwicklung anschaut, erlaubt das Rückschlüsse auf die eigene Zukunft. Ich habe schon längere Zeit den Eindruck, daß Flughäfen eine solche Zone schnellerer Entwicklung sind. Wenn wir wissen wollen, wie unsere Gesellschaft in Zukunft aussieht, müssen wir uns nur auf einem Flughafen umsehen. Was bedeutet das? Tuesday, December 20. 2005Über den vulgären kategorischen ImperativKants kategorische Imperativ ist zurecht allseits beliebt. Ich selbst bin ein großer Anhänger des seines kategorischen Imperativs, und auch wenn einige auf seine Unvollständigkeit hingewiesen haben, ist es meiner Ansicht nach die beste Grundlage für eine atheistische Ethik, die wir zur Verfügung haben (und damit die beste Grundlage für eine Ethik, die wir haben). Kants kategorischer Imperativ kommt in
vielen Formen und Farben, meist Vereinfachungen daher (viele davon sind
älter als Kants Version). Es gibt das negative, besserwisserische "Was
du nicht willst, daß man dir tu, das füg' auch keinem anderen zu" (es
ist bemerkenswert, wie ein geschickt eingesetzter Reim ein spontanes
Ekelgefühl erzeugen kann). In der Bibel gibt es eine positive Variante,
aber ich finde den Wortlaut nicht, also müßt ihr das ohne Zitat glauben. Es gibt allerdings eine Form des kategorischen Imperativs, vor allem hierzulande, die ich mal den "vulgären kategorischen Imperativ" nennen will. Er äußert sich folgendermaßen:
Es ist klar, daß das eine Variante von Kants Version ist, und der ebenso vulgäre Einwand "Es tun ja aber nicht alle" hilft nicht weiter. Das Problem liegt bei einer Vereinfachung. Denn, um es kurz und schmerzlos zu sagen, die Maxime meiner Handlung soll zum allgemeinen Gesetz erhoben werden, nicht aber die Handlung selbst. Anders ausgedrückt, die Entscheidungsfindung, der Grund einer Handlung ist ebenso Teil des hypothetischen Gesetzes. Diese Gesetze sind also Gesetze der Form "falls ..., dann tue ...", mit vielen Bedingungen und wenigen Folgerungen. Zum Beispiel: Wenn ich auf die Straße spucke, dann soll nicht Gesetz (oder Regelfall) werden, daß jeder immer auf die Straße spuckt, sondern das Gesetz hätte wahrscheinlicher die Form: "Wenn du gerade kein Taschentuch hast, und einen fiesen Husten, und ein halbes Pfund Schleim im Hals, dann spuck ruhig auf die Straße". Und selbst eine solch vereinfachte Form kann man wohl als allgemeines Gesetz stehen lassen. Und wenn mich nochmal jemand damit nervt, kann ich jetzt einfach auf diesen Artikel verweisen. Wie beruhigend. Monday, August 1. 2005Whisky und anderen Neuigkeiten
Ich bin gerade ein L.A., auf einer interessanten, lustigen, und prestigeträchtigen Konferenz. Da ich mehr zufällig zu der Ehre gekommen bin, hier anwesend sein zu dürfen (und es auch bezahlt zu bekommen), habe ich mehr Spaß als normalerweise auf Konferenzen, da ich keine mühsame Arbeit (i.e. vortragen) erledigen muß.
Noch viel besser finde ich, daß ich anscheinend meine Fähigkeit zum Jetlag eingebüßt habe. Und das selbst nach Flügen nach L.A., immerhin 9 Stunden Unterschied. Ich bin beeindruckt. L.A. ist häßlich, aber das Wetter ist schön, ich hoffe, daß ich in den nächsten Tagen noch dazu komme, hier ein paar repräsentative Photos zu machen. Mein Weg hierher führte ueber London, und im dortigen Flughafen gibt es den bei weitem coolsten Whisky, den ich kenne, und den ich jetzt auch besitze. Es ist ein 19-jähriger Isle of Jura, 1984 kam er ins Fass. Jetzt kann man schon mit gut begründete Spekulationen anfangen. Es ist ein George Orwell Memorial Whisky. Ein Photo habe ich noch nicht gemacht, liefere ich aber nach. Das ist so cool, daß mich allein der Gedanke an diesen Whisky in meinem Gepäck vor dem Zusammenbruch bewahrte, als ich am Flughafen, direkt hinter der Passkontrolle, zwei Photos an der Wand erblicken mußte, von George (W.) Bush und Dick Cheney. Wie in Thailand vom König, und in den Diktaturen dieser Welt vom entsprechenden Tyrannen. Leider habe ich auch davon kein Photo, meine Digicam war im Gepäck, und ich war zu erschrocken, um sie rauszunehmen. Außerdem habe ich auf Flughäfen immer Angst, erschossen zu werden, wenn ich auffalle. Und aufgefallen waere ich unter all den anderen Reisenden, die leicht gehetzt auf die Gepäckabgabe zu strömten, mit leicht müdem, und wenn auch ihnen die Photos auffielen, entweder amüsierten oder beängstigten Gesichtsausdruck. Angesichts der Tatsache, dass das mein erster Eindruck von L.A. war, geht es mir eigentlich ganz gut. Das Essen ist lecker, das Wetter ist schön, und ich bin auf einer interessanten, lustigen, und prestigeträchtigen Konferenz. Wednesday, July 27. 2005Shoot To Kill!
Wenn dir in London eine Gruppe Männer folgt, und einer oder mehrere von ihnen Waffen ziehen, sollte man nicht weglaufen.
Ich war eher schockiert. Leider ist ein hohes Zynismus-Niveau in letzter Zeit ja überlebenswichtig, also habe meine Betroffenheit inzwischen durch eine kleine Steigerung meiner Gleichgültigkeit kompensiert, und kann jetzt ganz entspannt darüber schreiben. Nochmal kurz, was passiert ist: Ein Mann läuft in eine U-Bahn-Station. Er hat das Pech, in einem (mehr-parteien) Haus zu wohnen dessen Adresse angeblich irgendwie mit einer der Bomben in Verbindung gebracht wurde. Außerdem sieht er nicht aus wie ein Engländer, weil er nämlich Brasilianer ist. Und er hat an einem warmen Tag eine dicke Jacke an. Sowas macht einen schon verdächtig, das kann ich verstehen. Und dann flieht er, als Polizisten in Zivil anfangen, Waffen zu ziehen, und das ist, wie eingangs erwähnt, keine gute Idee. Er rennt in die U-Bahn, stürzt, die Polizisten folgen ihm, werfen ihn zu Boden, und schiessen ihm 5-10 Mal in den Kopf. Danach stellen sie ihm Fragen und versuchen eine Wiederbelebung, oder so. Der Mann war natürlich unschuldig (also insbesondere war er kein Terrorist). Das ist schon ein wenig albern, aber es hat immerhin System. Die Polizisten sind angehalten, so zu handeln. Ich spare mir einen Exkurs ueber die Idiotie dieser "Policy", denn wie immer, hat Bruce Schneier schon alles gesagt. Go Bruce. Tuesday, July 19. 2005Batman und die moderne Geschichtsschreibung
Also bin auch ich Batman gucken gegangen. Eigentlich war das ein Unfall, ich hatte es schon garnicht mehr vor. Eigentlich wollte ich War of the Worlds gucken, wegen der überwiegend guten Kritiken, oder Madagascar, sozusagen aus professionellem Interesse, oder Palinromes. Nun wurde ich von widrigen Umständen von allen diesen Filmen abgehalten, aber nicht von Batman.
Nun, was soll man sagen, ohne Erwartungen in einen Film zu gehen ist meistens keine schlechte Idee, schliesslich kann man eigentlich nur positiv überrascht werden. Und so war es. Christopher Nolan ist ja auch kein unbeschriebenes Blatt, aber Batman ist nunmal Batman, also war es dann doch erfreulich, daß der Film nicht in Richtung der anderen Batman-Filme abgedriftet ist. Ich wurde gut unterhalten, und habe auch schon mein nächstes Kinoziel vor Augen, nämlich Sin City, dessen Vorschau ich geniessen durfte. Nach dem Kinoerlebnis wurde ich allerdings nachdenklich. Deutlicher als sonst wurde mir bewußt, daß in diesem Film ein Geschichtsverständnis dargestellt wird, das die Leistungen des einzelnen betont. Man kann das ablehnen oder nicht, aber interessant ist eigentlich eher die Frage, ob es möglich ist, ein anderes Geschichtsverständnis filmisch umzusetzen. Braucht der Zuschauer eine Orientierung mittels Helden? Ist man verloren in einer Handlung, die von gesellschaftlichen Strömungen beherrscht wird, in der kein einzelner hervorsticht und als Symbol für eine gesellschaftliche Kraft dient? Mir fällt gerade kein Film ein, der das konsequent machen würde, wenn jemand einen kennt, dann her damit. Ich glaube, man kann Charaktere als Symbole für gesellschaftliche Kräfte verwenden, und man kann auch klarmachen, daß sie nur Symbole sind (Starship Troopers geht so in die Richtung, aber auch nicht wirklich konsequent). Ganz auf die Personalisierung verzichten kann man wohl nicht. Wednesday, June 1. 2005Ein frostiger Hauch...
Ein frostiger Hauch. Etwas nervös schaue ich mich um -- niemand. Ein Zittern laeuft die Wirbelsäule entlang. Der rechte kleine Finger zuckt nervös. Die Augen sind trocken, alle zwei Sekunden muss ich blinzeln. Und jedesmal habe ich Angst vor der Dunkelheit. Die Topfpflanze bietet keinen Trost, nach jedem Lidschlag streckt ihre trockenen Krallen ein wenig mehr nach meinen Hals aus. Die Musik aus dem Radio klingt wie ein Sedativum, aber nicht beruhigend. Wie unruhiger, ängstlicher Schlaf. Ein Alptraum im Ohr. Die Luft ist klimatisiert, trocken und steril. In meinen Schuhen steht kalter Schweiß. Auf dem Bildschirm stehen nur Worte. Ohne Aliasing und Moiré. Der Schwindel kommt von weiter her. Die Tentakeln. Das All. Die Leere. Die Unendlichkeit. Die Möglichkeit. Die Macht.
Friday, May 27. 2005Wau!
Nachdem Erdferkel letztens
öffentlich an mich gedacht hat, habe ich hier Gelegenheit, die uralte Tradition des Poesiealbumschreibens mal wieder aufleben zu lassen. Das finde ich wunderbar. Noch dazu, wenn die Fragen mal nicht ganz so doof sind. Also:
1. You're stuck inside Fahrenheit 451. Which book do you want to be? 2. Have you ever had a crush on a fictional character? 3. The last book you bought: 4. The last book you read: 5. What are you currently reading? 6. Five books you would take to a desert island: Monday, May 16. 2005Laufschuhe sind häßlich, warum?
Auf meinen langen Wanderungen durch Kaufhäuser und Sportgeschäfte (die seltener geworden sind in letzter Zeit, aber doch noch häufig genug) ist mir etwas interessantes Aufgefallen, das umso interessanter ist, da ich bisher keine Erklärung dafür zu finden in der Lage war.
Laufschuhe sind häßlich, und zwar ausnahmslos. Ein Aufschrei geht durch die Ränge der Läufer, und Sportschuhdesigner und sicherlich auch der Sportschuhdesignerapologeten. Ich komme daher wohl nicht umhin, mein Urteil zu erklären. Als Beispiel möchte ich mal Schuhe von Asics anführen. Die Flash-Animation auf der Titelseite sollte genügen, obwohl es sich lohnt, mal in ein Geschäft zu gehen und sich die Schuhe live anzuschauen. Dort sieht man dann auch, daß alle Laufschuheim Prinzip gleich aussehen, weswegen ich auf weitere Beispiele verzichte, es wäre langweilig. Ich sollte allerdings warnen vor einer Misinterpretation von trendigen Lifestyle- Sport-Schuhen als Laufschuh (die meisten Schuhe von Puma sind beispielsweise keine Sportschuhe im eigentlichen Sinn). Zuerst einmal kann man beobachten, daß der Schuh scheint aus zahlreichen Materialien zu bestehen scheint. Ich sage bewusst, scheint. Sicher sind viele der oben genannten Teile aus demselben Material, was aber eigentlich alles nur noch schlimmer macht. Die Liste ist noch nicht einmal vollständig, aber sie soll erstmal genügen:
Man ist versucht, dieses Wirrwarr mit Anforderungen an die Funktionalität zu begründen. Selbst wenn man mal davon absieht, daß From follows Functionso unverdünnt sicher schlecht für den Magen ist (und außerdem direkt der Hölle entsprungen und überkommen), ist der Versuch zum scheitern verurteilt. Wie kann die Farbwahl die Funktionalität beeinflussen? Warum muß 4. perlweiss mit blauen und schwarzen Flecken sein, statt fast-weiss und unauffällig? Ich sehe ja ein, dass diverse Verstrebungen nötig sind, und mehrere Materialien in der Sohle benötigt werden. Sogar die Tatsache, dass man sie nicht versteckt, kann man mit einem Hinweis auf Gewicht und Stabilität entschuldigen. Farbliche Markierungen sind allerdings schlicht albern. Es bleibt noch eine Erklärung. Die Läufer wollen das so. Der Schuh soll funktional aussehen, und nur das. Er soll nicht schön sein, es soll kein kohärentes Design erkennbar sein, denn er muss so funktional sein, so vollgestopft mit neuester Laufschuh-Technologie, daß kein noch so ausgeklügeltes Design mit diesem Funktionsmonster vereinbar wäre. Ich bin an dieser Stelle versucht, zu sagen, daß das so offensichtlich albern ist, daß es keiner weiteren Diskussion bedarf. Auch widerstrebt es mir, die Urteilskraft des Durchschnittsläufers in dieser Weise zu beleidigen. Allerdings erscheint diese Erklärung oder eine Variation davon sicher als die Wahrscheinlichste. Die offensichtlichste Variation, und die beste Erklärung, die ich habe, wäre: Der Laufschuh darf vor allem nicht aussehen wie ein (oben schon erwähnter) trendiger Lifestyle-Schuh. Da ein gut designter Laufschuh sich aber nur marginal von einem solchen unterscheiden würde, ändert sich sein Designkriterium völlig. Ein Laufschuh ist schön, wenn er kein gutes Design hat. Denn hätte er eins, wäre er ein Lifestyle-Schuh, und damit kein guter Laufschuh mehr. Schlechtes Design als Entscheidungshilfe mein Sportschuhkauf. In der Tat ist auffällig, daß Schuhe, deren Funktion von vornherein klar ist, z.B. Fußballschuhe, Kletterschuhe, oder Wanderstiefel, nie dieser Art von schrecklichem Design anheim gefallen sind. Wenn es mal einen wirklich schönen Laufschuh zu kaufen gibt, dann kaufe ich ihn. Vorher laufe ich in eben in meinen Lifestyle-Tretern, oder barfuß am Strand, oder garnicht. Das haben sie jetzt davon. Wednesday, May 4. 2005Schlau durch Fernsehen
Ich habe einen verhältnismäßig guten Artikel auf Telepolis gesehen,
Macht Fernsehen klüger?. Ich glaube, das Thema verdient weitere Untersuchungen. Viele Menschen haben ja die unangenehme Angewohnheit, im Kino den Nachbarn zu fragen, was denn jetzt so eigentlich passiert ist. - Wie, ich dachte, der ist tot! - Ja, das dachten wir alle, das war wahrscheinlich der Hintergedanke des Regisseurs/Drehbuchautors. - Ja, aber warum lebt der denn jetzt wieder? - Keine Ahnung, ich nehme an, es wird im Film erklärt, den wir gucken könnten, wenn du nicht mir mir reden würdest. usw. Interessant wäre, sie wie sich Fernsehseher und nicht-Fernsehseher in ihrem "ich raff das nicht"-Verhalten im Kino (oder eben vor dem Fernseher) unterscheiden. Wahrscheinlich hat Steven Berlin Johnson (was für ein Name... sicher ein Pseudonym. Steven Johnson ist ja schon verdächtig unauffällig, aber der krasse zweite Vorname verrät ihn) wirklich recht, und man lernt in seiner Kindheit, komplex erzählten Geschichten zu folgen, oder man lernt es nicht (Na lieber Leser, hast du "12 Monkeys" beim ersten mal verstanden?). Also werde ich mir wieder einen Fernseher kaufen, wenn ich mal Kinder habe. Schliesslich will ich nicht, daß sie mal im-Kino-Frager werden. Aber keinen für's eigene Zimmer, damit ich kontrollieren kann, was sie sehen... - Papi, darf ich fernsehgucken? - Klar, was willst du denn sehen? - Sandmännchen! - Das kannst du vergessen. Aber heute abend kommt Apocalypse Now. Wenn du noch ein bißchen wach bleibst, kannst du ja den gucken. Tuesday, April 5. 2005Klassifikationen
Aus irgendeinem Grund habe ich über Klassifikationen nachgedacht. Es war während einer Unterhaltung über Sport(arten), als mir plötzlich eine Idee kam, wie man Sportarten in gute und schlechte Sportarten aufteilen kann. Völlig subjektiv natürlich.
Eine gute Sportart ist eine, bei der man nicht rennen muß und auch nicht vom stärkeren verhauen wird. Die Definition klingt ein wenig naiv, aber sie trifft erstaunlich genau meine Vorlieben. Es geht hier natürlich nur um Sportarten zum selbst mitmachen. Tischtennis ist also zum Beispiel gut, Golf auch. Fußball nicht, weil man da rennen muß, und Eishockey auch nicht, da man, obwohl man nicht wirklich rennen muß, doch von größeren und stärkeren verhauen wird. Und so weiter. Ich finde das sehr nützlich, wenn man sich mal einen neuen Sport aussuchen muß. Ich habe mich dann daran erinnert, daß ich früher, als ich noch klein war, alle Tiere in nur wenige Kategorien eingeteilt habe. Alles war entweder ein Hund oder eine Katze. Fische und Vögel waren irgendwie extra, zumindest kann ich mich nicht erinnern, daß ich mich je gefragt hätte, ob ein Fisch eher eine Katze oder ein Hund ist. Ich glaube, ich hatte auch noch eine Kategorie für Tiere mit Hufen. Die meisten Tiere sind so einfach zu klassifizieren. Mäuse sind ganz klar eine Art Hunde, nicht zuletzt wegen ihrer Feindschaft zu Katzen. Kleine Hunde sind dementsprechend eher Mäuse (oder Kampfratten). Affen sind ziemlich eindeutig Katzen. Über Menschenaffen habe ich nicht wirklich nachgedacht. Was mir allerdings wirklich Probleme gemacht hat, waren die Bären. Bären sind einfach keine Katzen, und Hunde sind es eben auch nicht. Eine neue Kategorie hätte mein ästhetisches Empfinden nicht vertragen, und so ist mein System am Bärenproblem zerbrochen. Schade eigentlich. Erst kürzlich habe ich meinen Hang zur extremen Simplifizierung wiederentdeckt. Dadurch, daß Sardellen, Sardinen und Heringe eigentlich dieselbe Art Fisch ist (nur kleiner oder größer), kam ich auf die Idee, daß eigentlich alle Fische mehr oder weniger gleich sind (und sogar einige Nicht-Fische). Es fängt an bei diesen kleinen Fischen, die man lecker eingelegt in Korea als Snack ißt. Das sind in Wirklichkeit kleine Sardellen. Wenn die ihre Sardellen-Sardinen-Hering-Entwicklung hinter sich haben, werden es Forellen, Lachse, Thunfische und vermutlich danach Delphine und Wale. Alle anderen Fische sind sehr nah an dieser "Hauptlinie": Haie sind Wale mit einem Kindhaitstrauma, bevor ein Fisch eine Forelle wird, kann es sein, daß er ein Aal wird. Interessanterweise sind Schlangen auch nur große (oder kleine) Aale, also in Wirklichkeit Fische. Zusammen mit meiner Theorie der Vögel ergibt das ein wundervoll harmonisches Bild der Welt. Im Mittelalter wäre es sicher der absolute Renner gewesen.
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